Wie ich mich aus dem Grau malte“.
Es war Ende 2016, als ich mit der Acrylmalerei anfing. Damals hatte ich keinen Schimmer, ob mir die Kunst wirklich dabei helfen könnte, aus der Dunkelheit zurückzufinden. Ich steckte mitten in einer schweren Depression. In meinem Kopf herrschte pures Chaos, und mir fehlten schlichtweg die Worte, um auszudrücken, was in mir vorging.

Eigentlich litt ich schon seit 2011 an dieser Krankheit, auch wenn ich es anfangs gar nicht wahrhaben wollte. Meiner Frau fielen die Schwankungen zuerst auf. Ich fand nicht mehr zu mir selbst, ließ mich hängen und meine liebe Frau musste in dieser Zeit oft als mein „Blitzableiter“ herhalten. Die Therapie, die ich 2012 begann, war ein zäher Weg, gezeichnet von Rückschlägen und einer einjährigen Zwangspause durch die Krankenkasse. Es stagnierte alles.
Der eigentliche Wendepunkt passierte dann völlig ungeplant an einer Kasse im Schnäppchenmarkt. Mein Blick blieb an einem Regal mit Acrylfarben hängen – ganz unbewusst. Meine Frau sah das und sagte: „Na, willst du es nicht mal versuchen?“ Ich hab sie nur ungläubig angeschaut und abgewinkt: „Das ist nichts für mich.“ Aber wir sind dann doch noch mal umgekehrt und haben Farben, Pinsel und drei Leinwände gekauft.
Zuhause passierte erst mal zwei Monate lang gar nichts. Ich saß einfach nur vor diesen weißen Flächen. Doch dann kamen die ersten Pinselstriche. Ich hatte keinen Plan im Kopf. Das erste Bild war dunkel, eine Bergkette, eine grüne Wiese und zwei Vogel-Silhouetten. Ehrlich gesagt sah es aus, als hätte es ein dreijähriges Kind hingekritzelt. Aber meine Frau meinte nur: „War doch nicht so schwer.“ Sie fand, es sah gar nicht so schlimm aus.
Bis Ende 2017 hatte ich schon zehn Bilder gemalt – ohne Motiv, einfach das, was mir gerade einfiel. Meine Psychologin bestärkte mich darin. Endlich hatte ich etwas gefunden, was mir half, das Chaos zu ordnen.
Über die Jahre habe ich mir Hilfe auf YouTube gesucht. Drei Kunstlehrer haben mir geholfen, aus meinem anfänglichen Gekritzel richtige, sortierte Pinselstriche zu machen. Ich fand eine Galeristin, die mir eine Chance gab, und plötzlich durfte ich meine Werke in drei Ausstellungen zeigen. Was dann passierte, hätte ich niemals geglaubt: Ich hatte auf einmal Anhänger auf Facebook und Instagram. Meine Bilder verkauften sich. Heute hängen sie von quer in Deutschland, in der Schweiz, in Österreich und sogar in drei B&Bs in England, von Dorset bis Cornwall. Wenn mir das damals an der Kasse jemand erzählt hätte, dem hätte ich einen Vogel gezeigt. Das war für mich völlig unvorstellbar.
Ich male auch heute noch. Meine Bilder sind jetzt meistens farbenfroher. Aber hin und wieder blitzt die Dunkelheit der Depression noch auf – meistens, wenn sie durch irgendetwas getriggert wird. Aber heute habe ich mein Werkzeug. Wenn es dunkel wird, greife ich zum Pinsel. Das Malen lenkt mich ab und hilft mir, mich meiner Erkrankung zu stellen, ohne wieder völlig in die Tiefe zu driften.
Mein Fazit: Ich wollte es am Anfang nicht glauben, aber die Kunst hat mir den Weg zurück ins Licht gezeigt. Jedes meiner Bilder ist ein Stück dieses Weges.