Endzeit

Endzeit – Zwischen Abriss und Neuschöpfung

Dieses Werk markiert für mich den Abschluss einer sehr intensiven Reise. Wie schon seine beiden Vorgänger, sollte die Fotografie von Friedrich Brüggebosse (Die Licht-Bildner) eigentlich auf dem Müll landen. Wir trafen uns damals im ARTmen Abbenrode zu meiner Vernissage, kamen ins Gespräch, und er überließ mir die Leinwand.

Drahtwurm – Originalfotografie von Friedrich Brüggebosse (Die Licht-Bildner)
Die fotografische Vorlage: „Drahtwurm“ (Original von Friedrich Brüggebosse)

Eigentlich war mein Plan fest geschmiedet: Die Serie „Fotokunst trifft auf Acryl“ sollte 2020 meine dritte große Ausstellung werden. Dann kam die Pandemie, die Lockdowns folgten, und so blieb auch dieses Werk – fertiggestellt im Dezember 2019 – bis heute ungesehen bei mir zu Hause.

Vom „Drahtwurm“ zur „Endzeit“

Interessant ist der Ursprung des Bildes: Friedrich nannte sein Werk ursprünglich „Drahtwurm“. Schaut man sich die Urversion oben an, erkennt man sofort warum – man sieht förmlich, wie ein Wurm aus einer Leitung herauskriecht. Doch in meiner Version hat sich dieses Motiv völlig transformiert. Aus dem fast schon biologisch-technischen Ansatz wurde etwas Existenzielles.

Endzeit – Fotokunst trifft auf Acryl von Carsten Gebhardt
Die finale Metamorphose: „Endzeit“ ( Der Serie: Fotokunst trifft auf Acryl)

Ein Werk, das mich ausgesaugt hat

Wenn ich sage, dass mich die Arbeit an diesem Bild Kraft gekostet hat, dann meine ich das wörtlich. Während des Malens hatte ich das Gefühl, als würde mich der Entstehungsprozess regelrecht aussaugen. Es war fast unheimlich: Die dunkle Gestalt auf der linken Seite schien meine eigenen Akkus förmlich leer zu ziehen. Diese düstere, zehrende Energie steckt in jeder Faser des Bildes.

Der Titel und das Erbe der Noltemeyer-Werke

Der Name „Endzeit“ ist eng mit dem Schicksal eines Braunschweiger Urgesteins verknüpft: dem Abriss der Noltemeyer-Werke. Als ich an dem Bild arbeitete, war das alte Werk bereits Geschichte, und der Neubau der „Noltemeyer Lichthöfe“ nahm Form an.

Ein Blick zurück auf die Braunschweiger Tradition: Die Firma Noltemeyer wurde 1876 gegründet. Über 130 Jahre lang prägte der Betrieb das Stadtbild, überstand Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg und baute sich immer wieder auf. Dass es der Stadt 2011 nicht gelang, diesen Betrieb zu halten, markierte das Ende einer Ära. Ein Traditionsbetrieb verschwand – für mich ein echter „Endzeit“-Moment.

Darin fand ich die perfekte Verbindung: Die Fotoleinwand war im Grunde auch ein Überbleibsel von etwas Altem. Ich nahm diesen „Abriss“ und schuf daraus etwas völlig Neues. Ein Ende ist eben oft auch die Bedingung für einen Neuanfang.

Wenn die Nacht das Gift weckt

Das Werk hat noch ein zweites Gesicht: Die giftgrünen Nebelschwaden leuchten im Dunkeln. Das wirkt im schwarzen Raum ziemlich gruselig, weil die anderen beiden Silhouetten dann nur noch ganz schemenhaft zu sehen sind. Es verändert die Wirkung auf den Betrachter komplett – eine ganz eigene, düstere Atmosphäre.


Fazit

Für mich ist „Endzeit“ die Symbiose aus Friedrichs „Drahtwurm“ und meiner haptischen Arbeit mit Struktur und Acryl. Es ist schade, dass ich diese Serie nie wie geplant ausstellen konnte, aber das Vertrauen von Künstlern wie Matthias Grimme, Hanjo Biehs und Friedrich Brüggebosse zu genießen, bedeutet mir viel. Aus etwas Altem ist etwas Einzigartiges entstanden, das die Geschichte meiner Heimatstadt und meine eigenen Emotionen festhält.


Hinweis für Sammler: Aufgrund der speziellen Oberflächenstrukturen und der haptischen Textur dieser Serie sind die Werke besonders schützenswert und nicht für den Standardversand geeignet. Die Übergabe erfolgt ausschließlich per Abholung in Braunschweig oder nach Absprache durch persönliche Lieferung in der Region.

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