– Mein Weg zur Nass-in-Nass-Technik
Es gibt Orte, die eine Geschichte flüstern, die man nicht mit den Ohren, sondern mit dem Herzen hört. Für meine Frau und mich ist Stonehenge so ein Ort. Seit unserem ersten Urlaub in Südengland im Jahr 2019 zieht es uns magisch dorthin zurück. Sogar während der Pandemie ließen wir es uns nicht nehmen, diesen geschichtsträchtigen Boden zu besuchen. Es ist eine Tradition geworden: Wann immer wir in unseren Sommerurlaub nach Cornwall aufbrechen, legen wir bei Stonehenge eine Rast ein. Es ist der Moment, in dem der Alltag abfällt und der Urlaub beginnt.
Diesen Ort umgibt eine „Aura“, die man kaum beschreiben kann. Ich sehe es jedes Mal bei meiner Frau: Sobald wir den Steinkreis besuchen oder auch nur daran vorbeifahren, bekommt sie eine spürbare Gänsehaut. Auch ich spüre diese Energie, diese tiefe Verbundenheit mit der Vergangenheit, auch wenn es bei mir vielleicht nicht ganz so intensiv ist wie bei ihr. Dieses Gefühl – diese Mischung aus Ehrfurcht und Ruhe – wollte ich nun endlich auf die Leinwand bringen.

Die Vorbereitung: Das Fundament für die Ewigkeit
Bevor ich mit dem eigentlichen Malen begann, widmete ich der Leinwand meine volle Aufmerksamkeit. Ich wollte einen sauberen, professionellen Look, also klebte ich zuerst die vier Ränder akribisch mit Malerkrepp ab, um einen weißen Rahmen zu schaffen.
Um die besondere Technik umzusetzen, brauchte ich eine Arbeitsfläche, die nicht sofort trocknet. Ich trug einen Trocknungsverzögerer von Marabu mit einem Spachtel auf und verteilte ihn mit der weichen Seite eines leicht feuchten Haushaltsschwamms gleichmäßig über die gesamte Leinwand. Erst danach folgte das Gesso (White) von Winsor & Newton, das ich mit einem Flachpinsel einarbeitete. Diese Schichtung war die Basis für alles, was folgte.
Die Herausforderung: Bob Ross’ Erbe in Acryl
Mein Vorbild für den Himmel war die berühmte Nass-in-Nass-Technik von Bob Ross. Da er jedoch mit Öl malte, musste ich mir für meine Acrylfarben eine eigene Alternative suchen, um diesen weichen, nebeligen Effekt zu erzielen.
Auf meiner Stay-Wet-Palette von Daler-Rowney, die ich mit zwei nassen Küchentüchern und Butterbrotpapier präpariert hatte (damit die Farben über Stunden feucht bleiben), mischte ich meine Auswahl von Winsor & Newton:
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Prussian Blue, Winsor Blue und Winsor Violet für die Tiefe des Himmels.
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Burnt Sienna, Payne’s Grey, Titanium White und Mars Black für die dramatischen Wolkenstrukturen.
Mit einem großen Rundpinsel tupfte ich diese Farben abwechselnd bis knapp über die Hälfte der Leinwand auf. Dann kam die Feinarbeit: Zuerst nutzte ich einen mittelgroßen, weichen Borsten-Flachpinsel und wischte die Farben von links nach rechts nach oben, dann in umgekehrter Folge wieder nach unten, um sie sanft ineinander zu verblenden. Zum krönenden Abschluss nahm ich einen sehr weichen, großen Flachpinsel und verblendete das Ganze ein zweites Mal. Erst als dieser perfekte, weiche Übergang erreicht war, ließ ich das Bild zwei Tage lang vollständig durchtrocknen.
Den Steinkreis zum Leben erwecken
Die monumentalen Steine habe ich zunächst auf Transferpapier gezeichnet und dann präzise auf die Leinwand übertragen. Für die Umsetzung der Details wählte ich ganz spezifische Werkzeuge:
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Der Wald: Für die Bäume am Horizont mischte ich Mars Black und Hooker’s Green. Aufgetragen habe ich sie mit einem sehr feinen, kleinen Borsten-Rundpinsel, um die Struktur der Baumkronen einzufangen.
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Der Nebelschleier: Unterhalb der Wälder wollte ich eine geheimnisvolle Tiefe erzeugen. Dafür nutzte ich Payne’s Grey und Parchment (Liquitex). Mit einem Rundpinsel und einem kleinen, weichen Fächerpinsel arbeitete ich dabei Matt-Medium ein, um diesen zarten, schleierhaften Effekt zu erzielen.
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Der Steinkreis: Die Steine selbst erhielten ihre Textur durch Mars Black, Payne’s Grey, ein wenig Burnt Sienna und Matt-Medium.
Die Landschaft von Südengland
Für den Untergrund und die weiten Wiesen Englands griff ich tief in den Farbtopf: Hooker’s Green, Sap Green, Permanent Light Green und Olive Green. Den Weg, der an den Steinen vorbeiführt, deutete ich mit Raw Sienna und einer Nuance aus Payne’s Grey und Titanium White an.
Um die Wiese so lebendig wie möglich zu gestalten, setzte ich einen Borsten-Fächerpinsel ein. Mit einem kleinen, weichen Fächerpinsel tupfte ich schließlich Akzente in Cadmium Red (HUE) und Permanent Alizarin Crimson ein – kleine Farbtupfer, die das satte Grün aufbrechen.
Mein Anspruch an Qualität
Für mich als Künstler hinter kreativ-mit-acryl steht die Qualität an erster Stelle. Deshalb verwende ich bevorzugt die Farben von Winsor & Newton. Die Pigmentierung ist deutlich hochwertiger und intensiver als beispielsweise bei Zena Color, was man besonders bei den feinen Nuancen dieses Bildes sieht.
Dieses Werk ist für mich mehr als Technik – es ist die Gänsehaut meiner Frau, unsere gemeinsame Reisezeit und die Magie eines Ortes, der seit Jahrtausenden die Zeit überdauert.