Farblicht im Dunkeln

Die Serie 2019: Von Märchen, Nägeln und dem Weg aus der Dunkelheit

Diese Serie entstand zwischen Januar und Dezember 2019. Ich hatte erst zwei Jahre zuvor, im Jahr 2017, mit dem Malen begonnen. Als diese Werkreihe entstand, war ich also noch mitten in meiner Anfangsphase. Alle Werke wurden schließlich im ARTmen in Abbenrode ausgestellt; der Titel der Ausstellung lautete: „Der, der mit den Q-Tipps malt“.

Im Jahr 2019 vollzog ich einen Stilwechsel. Als „Quereinsteiger“ hatte ich das Gefühl, mich freier ausprobieren zu können. Ich ging die Dinge ohne feste Struktur an und plante nicht im Voraus, was ich am nächsten Tag malen würde – ich fing einfach an.

Die Idee mit dem Nagel

Die Inspiration, mit Nägeln zu malen, kam mir in einem ganz alltäglichen Moment, als meine Frau und ich ein Bild aufhängten. Da war plötzlich dieser Gedanke: Könnte man nicht auch mit einem Nagel malen? Meine Frau bemerkte, dass ich in diesem Moment gedanklich nicht ganz bei der Sache war. Als ich ihr von meiner Idee erzählte, sagte sie trocken: „Dann mach es doch einfach – du wirst dann sehen, ob es klappt oder nicht.“

Frau Holle und die „Maries“

In meinem Kopf formte sich dazu passend eine Idee basierend auf dem Märchen Frau Holle der Brüder Grimm: Eine Witwe mit zwei Töchtern – die eine schön und fleißig, die andere hässlich und faul. Am Ende wird die Fleißige mit Gold überschüttet und die Faule mit Pech. So entstand die Idee zu dieser Serie und den Titeln der Werke.

Heute freue ich mich besonders darüber, dass die Marie-Bilder alle verkauft sind und sich in Berliner Privatbesitz befinden.

Die „Q-Tipp Rose Diva“ und England

Ein Werk der Serie nimmt eine Sonderstellung ein: die „Q-Tipp Rose Diva“. Sie geht direkt auf die Geschichte hinter dem Quiet-Woman House zurück, in dem wir im Juni 2019 zum ersten Mal übernachteten. Die Legende der „Quiet Woman“ bildete den Hintergrund für dieses Bild. (Wer die Geschichte lesen möchte, findet sie hier; sie ist auf Englisch, lässt sich aber gut übersetzen).

Als wir im Herbst 2020 ein zweites Mal dort Urlaub machten, schenkte ich dem B&B dieses Werk. Seitdem hängt die Diva dort im Zimmer 3, direkt neben dem „Engel der Hoffnung“.

Malen als Anker gegen die Depression

Während dieser gesamten Zeit war ich immer wieder mit meiner dunklen Phase – einer Depression – beschäftigt. Sie streckte ihre Hände nach mir aus, um mich im Griff zu behalten. Doch mein künstlerisches Tun zahlte sich schon damals aus: Die Phasen wurden deutlich schwächer, auch wenn sie insgesamt noch bis zum Jahr 2023 andauerten.

Technische Details

  • Format: Alle Werke sind 24×30 cm (Hochformat).

  • Farben: Gold, Silber, Bronze, Kupfer, Mars Black, Titanium White und Alizarin Crimson.

  • Werkzeuge: Nägel und Wattestäbchen (Q-Tips).

Mein Fazit: Die Freiheit des Quereinsteigers

Diese Serie ist für mich heute das Symbol für die Freiheit, die man nur als Quereinsteiger hat. Ohne das Korsett einer klassischen Ausbildung im Kopf konnte ich den Pinsel einfach gegen einen Nagel tauschen und das Märchen von Frau Holle auf meine ganz eigene, strukturierte Weise neu interpretieren.

Diese Freiheit, einfach anzufangen – ohne Plan, aber mit viel Gefühl –, war mein Rettungsanker. Sie hat mir gezeigt, dass Kunst nicht perfekt sein muss, um zu heilen. Sie muss echt sein. Dass meine „Maries“ nun in Berlin hängen und die „Diva“ in England, ist für mich die schönste Bestätigung, dass es sich lohnt, auf das eigene Bauchgefühl zu hören und den ersten Schritt zu wagen.

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