Die Geister der Vergangenheit: Eine Reise durch „Swing“ und „Liebes-Blues“
Hinter jedem Kunstwerk steckt eine Geschichte, doch bei diesen beiden Bildern ist sie besonders eng mit dem Bewahren von Erinnerungen verknüpft. Diese Werke sind Teil einer sechsteiligen Serie, die ihren Ursprung in der Galerie ARTmen in Abbenrode hat.
Die Rettung vor dem Vergessen
Die Basis für diese Arbeiten bildeten Fotografien der Künstlergruppe (Die Lichtbildner) um Angelika Soluk, Matthias Grimm, Hanjo Biehs und Friedrich Brüggeboss. Diese Fotografen halten „Lost Places“ in der Region Braunschweig und im Harz fest. Die Aufnahmen, die du hier siehst, sollten ursprünglich entsorgt werden. Ich erhielt sie von Matthias Grimm etwa einen Monat, nachdem ich mein Werk „Waldgeister“ fertiggestellt hatte.
Es ist eine Serie des „zweiten Blickes“: Von den sechs entstandenen Werken wurden fünf – darunter diese beiden – aufgrund der Pandemie im März 2020 bisher noch nie öffentlich gezeigt oder den ursprünglichen Fotografen präsentiert.
Swing – Ein letzter Tanz im verlassenen Saal
Dieses Bild entstand aus einer tiefen Impression heraus, die ich während eines Urlaubs in Süd-England im Juni 2019 gewann. In einem Pub erlebte ich die ausgelassene Stimmung, als Menschen gemeinsam tanzten und ohne Instrumente Seemannslieder (Shantys) sangen.
Zurück im Atelier wollte ich dieses Gefühl der Lebensfreude auf den verlassenen Ort übertragen.
-
Die Szenerie: Ein ehemaliger Tanz- oder Ballsaal (vielleicht auch ein Kino) irgendwo im Harzer Umland, der heute vermutlich nicht mehr existiert.
-
Die Vision: „Ja, so könnte es gewesen sein.“ Ich wollte zeigen, wie der Saal in voller Blüte aussah.
-
Das Detail: Die schwarzen Silhouetten wirken wie Geister der Vergangenheit, die ein letztes Mal zum Tanz aufgefordert werden. Das Notenband symbolisiert die unsichtbare Band, die den Rhythmus vorgibt.

Liebes-Blues – Ein Antrag für die Ewigkeit
„Liebes-Blues“ nutzt dieselbe Location, ist jedoch aus einer anderen Perspektive – fast „um die Ecke“ – fotografiert, was man an der Fensterfront im Hintergrund erkennt.
-
Die Szenerie: Während „Swing“ die Dynamik feiert, fängt dieses Bild einen intimen Filmmoment ein. Ein Heiratsantrag, wie man ihn aus Klassikern kennt.
-
Die Symbolik: Um den Charme des verlorenen Ortes zu betonen, sind die Figuren in tiefem Schwarz gehalten. Der einzige Farbtupfer ist die rote Rose – ein Symbol der Hoffnung und Liebe inmitten der Vergänglichkeit.
-
Der Klang: Auch hier hallt das Notenband durch den Raum. Man kann fast ein Liebeslied aus den 1950er Jahren hören, das durch die Ruine schwebt.

Fazit: Kunst als Archiv der flüchtigen Momente
Was diese Serie so besonders macht, ist der Gedanke der Wiederbelebung. Durch die künstlerische Bearbeitung der „Lost Place“-Fotografien wurde aus einem Objekt, das entsorgt werden sollte, ein Zeitzeugnis der Fantasie.
Die Bilder bewahren die Geheimhaltung der Orte, um sie vor Vandalismus zu schützen, geben ihnen aber gleichzeitig ihre Würde zurück. Sie zeigen nicht den Verfall, sondern das Leben, das dort einmal geherrscht haben könnte. Dass sie seit 2020 verborgen blieben, verleiht ihnen heute, wo wir sie endlich betrachten können, eine ganz eigene, stille Kraft.
Wichtiger Hinweis zum Erwerb: Diese Unikate aus der Lost-Place-Serie sind aufgrund ihrer Geschichte und Beschaffenheit sehr wertvoll für mich. Ein Versand ist ausgeschlossen – die Werke können nur persönlich abgeholt oder nach Absprache geliefert werden.