Acryl-Himmel: Mein Weg zum „Bob Ross Effekt“

Viele Bewunderer der Nass-in-Nass-Technik stehen vor dem gleichen Problem: Bob Ross malte mit Ölfarben, die extrem lange offen bleiben. Für uns Acrylmaler trocknet die Farbe oft viel zu schnell. Um trotzdem diesen weichen, nebeligen Effekt zu erzielen, habe ich eine Methode entwickelt, die zwei Welten verbindet.

Die Vorbereitung: Das Fundament für den Verlauf

Der wichtigste Schritt passiert, noch bevor die erste Farbe auf die Leinwand kommt. Damit die Acrylfarben überhaupt gleiten können, bereite ich den Untergrund in zwei präzisen Schritten vor:

  1. Der Retarder-Auftrag: Zuerst trage ich einen Trocknungsverzögerer von Marabu mit einem diamantförmigen Paletten Messer auf die Leinwand auf. Hierfür könnt ihr natürlich auch jedes andere Malmesser verwenden – wichtig ist nur, dass es schmal genug ist, damit es problemlos durch die Öffnung in den Topf des Trocknungsverzögerers passt. Um eine absolut gleichmäßige Schicht zu erhalten, verteile ich das Medium anschließend mit der weichen Seite eines leicht feuchten Haushaltsschwamms über die gesamte Fläche. Das ist die Basis, damit wir später genug Zeit zum Verblenden haben.

  2. Die Gesso-Basis: Direkt im Anschluss arbeite ich das Gesso (White) von Winsor & Newton mit einem mittelgroßen Flachpinsel ein. Diese Kombination hält die Oberfläche offen und ist der entscheidende Faktor, um später im Himmel diesen leuchtenden Wolkeneffekt zu erzielen.

Damit meine Farbmischung (Prussian Blue, Winsor Blue, Violett etc.) über Stunden geschmeidig bleibt, nutze ich eine Stay-Wet-Palette, ausgelegt mit zwei nassen Küchentüchern und Butterbrotpapier.

Mein Tipp für Selbermacher: Es muss nicht sofort die teure Profi-Palette sein. Du kannst euch ganz einfach eine Alternative aus Dingen basteln, die ihr vielleicht schon zu Hause habt – zum Beispiel ein ausrangiertes Plastiktablett oder ein rechteckiger Deckel von einer Aufbewahrungsbox. Wichtig ist nur, dass das Gefäß einen erhöhten Rand hat, damit die Feuchtigkeit der Tücher gut gehalten wird und nichts austrocknet oder überläuft.

Schritt 1: Der Farbauftrag & Wolken-Effekt

Mit einem großen Rundpinsel trage ich die Farben abwechselnd tupfend auf die Leinwand auf, bis knapp über die Hälfte. Hier zeigt sich die Stärke des weißen Gesso: Es mischt sich direkt auf der Leinwand mit den feuchten Farben und lässt die hellen Partien des Himmels sowie die Wolkenstrukturen weich und natürlich hervortreten.

Schritt 2: Das erste Verblenden

Jetzt nehme ich einen mittelgroßen, weichen Borsten-Flachpinsel. Ich wische die Farben in einer fließenden Bewegung von links nach rechts nach oben hin aus. Danach wiederhole ich das Ganze in umgekehrter Folge nach unten, um die Übergänge zu glätten.

Schritt 3: Das finale Finish

Um den typischen, fast nebelartigen Look zu erreichen, kommt ein sehr weicher, großer Flachpinsel zum Einsatz. Mit ganz leichtem Druck verblende ich die Farben ein zweites Mal. Das nimmt die letzten Pinselspuren heraus und sorgt für die nötige Tiefe. Da die Kombination aus Marabu-Verzögerer und Gesso die Trocknung stark verlangsamt, lasse ich das Ergebnis zwei Tage durchtrocknen, bevor ich mit den weiteren Details fortfahre. 

Hier siehst du das Ergebnis dieser Technik:

„Himmel-Farbverlauf mit Acrylfarben in Nass-in-Nass-Technik, erstellt mit Marabu Retarder und Winsor & Newton Gesso von kreativ-mit-acryl.“

Mein Tipp für Eilige (mit Warnhinweis!): Wer nicht so lange warten möchte, kann die Trocknung mit einem Föhn beschleunigen. Aber hier ist absolute Vorsicht geboten: Geht niemals zu nah mit dem Föhn an die nasse Leinwand heran! Dafür gibt es zwei wichtige Gründe:

  1. Zerstörung des Bildes: Die starke Hitze und der Luftzug können eure bisherige Arbeit unwiderruflich zerstören (Risse oder Blasen in der Farbschicht).

  2. Brandgefahr: Selbst auf kleiner Stufe besteht die Gefahr, dass die Leinwand Feuer fängt. Acrylfarben und die Baumwolle der Leinwand sind brennbar.

Haltet also immer einen Sicherheitsabstand und nutzt den Föhn nur mit Bedacht!

Fazit: Traut euch an den Himmel!

Die Nass-in-Nass-Technik mit Acryl braucht am Anfang ein wenig Fingerspitzengefühl und die richtige Vorbereitung, aber das Ergebnis spricht für sich. Mit der Kombination aus Verzögerer und Gesso nehmt ihr dem Acryl die Eile und gewinnt die kreative Freiheit zurück, die man sonst nur von der Ölmalerei kennt.

Lass dich nicht entmutigen, wenn der erste Verlauf noch nicht perfekt ist – jeder Pinselstrich lehrt dich mehr über das Zusammenspiel der Materialien. Jetzt bist du dran! Hast du diese Technik schon einmal ausprobiert oder hast du Fragen zu den einzelnen Schritten? Schreib es mir gerne in die Kommentare. Ich freue mich riesig, wenn du deine eigenen Himmel-Ergebnisse mit mir teilst – vielleicht sogar direkt hier unter diesem Beitrag oder auf Social Media!

Viel Freude beim Ausprobieren und bleibt kreativ!