Gedanken aus Stein: Wie ich meine Sprache in Farben wiederfand

Wenn die Farben die Sprache zurückbringen: Ein Zeitzeugnis der Heilung

Es gibt Momente im Leben, da fühlt sich die Welt an wie eine unüberwindbare Steinmauer – rau, hart und unnachgiebig. Mein Werk vom 24. Juli 2020 ist weit mehr als nur Farbe auf einer 50×60 cm Leinwand. Es ist ein Protokoll meines Kampfes gegen die Depression, entstanden in einer Zeit, als die Welt durch die Pandemie und die Lockdowns stillstand und die Dunkelheit in mir versuchte, wieder die Oberhand zu gewinnen.

Acrylmalerei auf strukturierter Leinwand: Eine dunkle Silhouette sitzt unter einem baumartigen Gebilde, aus dem eine farbgewaltige Gedankenblase in Türkis, Lila und Weiß ausbricht. Der Hintergrund zeigt eine raue Stein-Optik.
„Als die Farben zurückkamen: Mein Weg aus dem Stein – gemalt am 24. Juli 2020.“

Der Kampf um die Kontrolle

In der Gefangenschaft der Depression fühlte ich mich oft allein, obwohl ich es nicht war. Ich hatte meinen „Fels in der Brandung“ – meine Frau – immer an meiner Seite, doch der Schleier der Krankheit verdeckte die Sicht auf diese Realität. Ich fühlte mich oft wie ein Fremder im eigenen Körper, stand neben mir und fragte mich: „Was für ein ‚Vogel‘ ist das da eigentlich?“ Es war ein Gefühl des totalen Kontrollverlusts.

Stein, Sand und die Rückkehr der Struktur

Um dieses Gefühl der Schwere und der Blockade auszudrücken, habe ich den Untergrund des Bildes besonders bearbeitet:

  • Die Basis: Ein Gemisch aus Sand, Modellierpaste und Grundierweiß, aufgetragen mit 2 Palettenmessern, erzeugte eine echte Steinstruktur. Es symbolisiert das Festgehaltenwerden, den Moment, in dem man nicht mehr durch den Schleier gehen kann.

  • Das Werkzeug: Mit einem Haushaltsschwamm, einem Schwammstempel und nur drei Pinseln habe ich Schicht um Schicht gearbeitet – ein haptischer Prozess, der mir half, die Kontrolle über das Material zurückzugewinnen.

Der Ausbruch der Farben

Das Bild zeigt genau den Punkt, an dem die Heilung begann. In der großen „Gedankenblase“ über der Silhouette brechen sechs Acrylfarben das Chaos im Kopf auf.

  • Wo vorher nur Leere und Dunkelheit waren, kehrte die Farbe als meine neue (und alte) Sprache zurück.

  • Das Türkis, Violett und Weiß sind nicht nur Pigmente; sie sind die Fortschritte meiner Behandlung, die schrittweise die Oberhand gewannen.

Mein Fazit

Dieses Bild ist für mich das Ende eines Anfangs. Es zeigt den Weg aus der Isolation der Pandemie und der Depression. Es erinnert mich daran, dass selbst wenn der Untergrund rau wie Stein ist, die Farben der Seele mächtig genug sind, um jede Mauer zu durchbrechen.

Nahaufnahme Detail Silent Roar – Verbindung zwischen Junge und Panther am Abgrund

Silent Roar – Das stille Gebrüll der Befreiung

Silent Roar – Wenn das Schweigen der Depression eine Stimme findet

Es gibt Momente im Leben, da fehlen die Worte. Wenn die Dunkelheit der Depression so schwer wiegt, dass jedes gesprochene Wort im Hals stecken bleibt. „Silent Roar“ entstand im Jahr 2023, genau an der Schwelle: Die Welt erwachte langsam aus der Covid-Pandemie, und ich stand kurz vor dem Abschluss meiner Behandlung.

Eine Schwarz-Weiß-Acrylmalerei zeigt die Silhouette eines Jungen, der an einem Abgrund sitzt, bewacht von der Silhouette eines Panthers im Hintergrund vor einem grauen Horizont.
Silent Roar (2023): Ein Moment des Innehaltens am Abgrund – bewacht von innerer Stärke und dem Rückhalt meiner Liebsten.

Am Abgrund, aber nicht allein

Das Motiv zeigt einen Jungen, der mit baumelnden Beinen über einem Abgrund sitzt. In jener Zeit war ich dieser Junge. Gefangen in einer Krankheit, die sich anfühlte, als ginge es nicht voran, sondern stetig abwärts in die Tiefe.

Doch hinter mir, im Schatten des Abgrunds, sitzt der Wächter. In meiner Gedankenwelt hat dieser Panther eine Doppelbedeutung:

  1. Mein Seelentier: Die unsichtbare Kraft, die immer an meiner Seite war.

  2. Meine Frau: Sie war meine „Löwenmutter“. Sie stand hinter mir, als ich nicht wusste, wie es weitergeht. Sie führte mich, wenn die Depression mich im Griff hatte, und passte auf mich auf, bis ich meine eigene Sprache wiederfand.

Die Rückkehr der Farben und des Lichts

Durch die Malerei konnte ich mich mitteilen, als Reden nicht mehr möglich war. Ich habe mich Schicht für Schicht zurück in eine Welt voller Farben und Licht gekämpft. „Silent Roar“ ist das Zeugnis dieses Sieges. Auch wenn die Dunkelheit manchmal noch kurz aufblitzt, um mich zur Achtsamkeit zu mahnen – sie beherrscht mich nicht mehr.

Technische Umsetzung & Hilfsmittel

Um die Stille und die Tiefe des Abgrunds einzufangen, habe ich mich auf das Wesentliche konzentriert:

  • Format: 40×50 cm (Querformat) auf hochwertiger Winsor & Newton Leinwand.

  • Farben: Mars Black und Titanium White (Winsor & Newton).

  • Besonderheit: Der Einsatz von Matt Medium war entscheidend, um die sanften Verblendungen im Hintergrund und die Tiefe des Abgrunds fließend und ruhig zu gestalten.

  • Werkzeuge: Mittlerer Flachpinsel für die Verläufe, kleine Katzenzunge (Filbert) für die Silhouetten und ein feiner Long Liner für die präzisen Konturen. Ein kleiner Borsten-Rundpinsel gab dem Felsrand seine Struktur.


Mein Fazit & künstlerische Einordnung

„Silent Roar“ ist für mich weit mehr als ein Spiel mit Kontrasten; es ist die visuelle Bewältigung einer Grenzerfahrung. Künstlerisch besticht das Werk durch seine bewusste Reduktion. Der Verzicht auf Farbe lenkt den Blick unmittelbar auf die existenzielle Spannung zwischen der Zerbrechlichkeit des Jungen und der schützenden Präsenz des Panthers.

Die Komposition nutzt das Licht im Hintergrund nicht nur als gestalterisches Element, sondern als Symbol für die Hoffnung, die jenseits des Abgrunds wartet. Es zeigt, dass wahre Stärke oft in den leisen, fast unsichtbaren Details liegt – ein stilles Gebrüll, das keine Lautstärke braucht, um gehört zu werden. Dieses Bild bleibt für mich unverkäuflich, da es ein tiefes Stück meines eigenen Wesens verkörpert.

Ein Gedanke für euch: Vielleicht kennt ihr selbst Momente, in denen die Welt grau erscheint und die Worte fehlen. Ich hoffe, dieses Bild zeigt euch, dass man auch am Rand des Abgrunds nicht allein sein muss und dass es sich lohnt, Schritt für Schritt zurück ins Licht zu finden. Danke, dass ihr mich auf diesem Teil meiner Reise begleitet.


Details zum Werk:

  • Titel: Silent Roar (Stilles Gebrüll)

  • Entstehungsjahr: 2023

  • Status: Privatbesitz / Unverkäuflich

  • Hinweis für Sammler: Aufgrund der persönlichen Bedeutung bleibt dieses Werk Teil meiner privaten Sammlung im Atelier.

Waldgeister: Von der Vernichtung zur Vision

Wenn Wälder Geschichten flüstern – Die Rettung der „Waldgeister“

Manchmal braucht Kunst einen zweiten Anlauf, um ihre wahre Seele zu offenbaren. Die Geschichte dieses Bildes beginnt in der Galerie ARTmen in Abbenrode, im Landkreis Wolfenbüttel. Dort lernte ich die Arbeit einer Gruppe von Fotokünstlern kennen (Die Licht-Bildner) – Angelika Souluk, Matthias Grimm, Friedrich Brüggeboss und Hans-Joachim (Hanjo) Biehs. Sie fangen die melancholische Schönheit von Lost Places in unserer Region ein.

Hanjo Biehs überließ mir eine seiner Fotoleinwände: eine herbstliche Waldszene aus dem Woltorfer Forst. Eigentlich wollte er das Werk vernichten, doch ich sah etwas darin, das noch nicht erzählt war. Mit seiner ausdrücklichen Zustimmung als Urheber begann für mich eine Reise des Suchens.

Der Moment des Flows Es dauerte Tage, bis ich den Zugang fand. Doch dann, beeinflusst von den Eindrücken einer Reise durch Süd-England und dem Besuch der Burgruine „Bodiam Castle“ in Kent, war die Idee plötzlich da. Ich wollte die Geister der Vergangenheit sichtbar machen.

Ein kleiner Impuls für euch: Schaut euch das Bild einen Moment an und stellt euch diesen Waldweg einmal ganz ohne den Hirschen und das Mädchen vor. Seht ihr die Stille des leeren Pfades? Genau so sah das Originalfoto aus, bevor die Geschichte in meinem Kopf begann.

Die Umsetzung Ich wollte zeigen, was früher dort gewesen sein könnte. Ich habe diese Begegnung schemenhaft in Weiß in die Fotografie hineingemalt – wie flüchtige Erinnerungen, die verblassen, aber dennoch präsent sind. Einzig zwei kleine Farbtupfer in dezentem Quinacridon Magenta setzen Akzente: ein Schmetterling auf der Hand des Mädchens und die Schleife an ihrem Kleid. Es ist eine Hommage an die Zeit, als die Wälder noch unberührte Urwälder waren.

"Künstlerische Fotoleinwand von kreativ-mit-acryl: Ein herbstlicher Waldweg im Sophiental, in den schemenhaft ein weißer Hirsch und ein kniendes Mädchen gemalt wurden. Magenta Akzente durch einen Schmetterling und eine Schleife."
„Waldgeister (2019) – Eine künstlerische Symbiose: Wo Fotografie auf Acryl trifft und Verborgenes sichtbar macht.“

Als Hanjo Biehs das fertige Werk sah, sagte er einen Satz, der mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist: „So könnte es gewesen sein.“

Ein ungeschliffener Diamant Obwohl das Bild bereits 2019 fertiggestellt wurde, hat es bisher noch keine Ausstellungshalle von innen gesehen. Als Quereinsteiger ohne großen Namen ist es oft schwer, Gehör zu finden, da die Maßstäbe der Kunstwelt oft starr und schwer nachvollziehbar wirken. Doch dieses Bild wartet geduldig auf seinen Moment.


💡 Mein Fazit

Kunst sollte nicht an Titeln oder Lebensläufen gemessen werden, sondern an der Geschichte, die sie erzählt, und dem Gefühl, das sie auslöst. Die „Waldgeister“ sind für mich der Beweis, dass Upcycling mehr ist als nur Wiederverwertung – es ist die Rettung einer Seele. Es zeigt, dass Kooperation zwischen Künstlern (Fotografie trifft Malerei) etwas völlig Neues erschaffen kann, das stärker ist als das Original allein.

Wichtiger Hinweis: Dieses Werk ist ein Unikat. Ein Versand ist nicht möglich – nur Abholung oder persönliche Lieferung durch mich.