Hinter den Kulissen:

Wo meine Farben ihre Geschichte erzählen

Eigentlich bin ich niemand, der gerne die Fassade hochhält. Wenn ihr meine Webseite kreativ-mit-acryl besucht, seht ihr oft das bunte, fertige Ergebnis. Aber heute möchte ich euch mit „hinter die Kulissen“ nehmen – dorthin, wo es nicht immer hell war.

Es fiel mir nicht in den Schoß

Manche glauben, man wird mit einem Pinsel in der Hand geboren. Bei mir war das Gegenteil der Fall. Das Malen war kein Hobby, das ich mir ausgesucht habe, weil ich gerade zu viel Zeit hatte. Es war die Antwort auf eine verdammt harte Zeit. Seit November 2010 schleppe ich eine schwere Erkrankung mit mir herum, die mich bis heute nicht ganz loslässt. Und als wäre das nicht genug, kam 2012 die Depression dazu. Ein dunkler Begleiter, der mich bis Anfang 2020 fest im Griff hatte und auch heute noch manchmal anklopft, wenn er getriggert wird.

„Du spinnst!“ – Der Moment im Schnäppchenmarkt

Der Wendepunkt kam an einem Ort, an dem man keine Lebensveränderung erwartet: an der Kasse im Schnäppchenmarkt. Ich stand da, völlig festgefahren, als meine Frau mich zur Seite zog und ganz trocken meinte: „Wie wär’s, wenn du anfängst zu malen?“

Ich sah sie an und dachte nur: Du spinnst. Malen? Ich? In Malbüchern mit Buntstiften rumkritzeln war absolut nicht mein Ding. Aber sie ließ nicht locker. „Nein“, meinte sie, „Leinwand, Pinsel und Acrylfarbe.“ Ich hatte keine Ahnung von Acryl, ich hatte nie einen Kurs besucht, ich war absoluter Laie. Ich wusste nicht mal, wie man überhaupt anfängt.

Die ersten Gehversuche (und warum ich sie noch heute habe)

Wochenlang passierte nichts. Die Zweifel waren riesig. Kann ich das überhaupt? Mit Mitte 40? Als ich mich dann endlich traute, sah das erste Bild aus, als hätte es ein dreijähriges Kind gemalt. Aber meine Frau meinte nur: „War doch gar nicht so schwer.“

Ich habe diese ersten zehn Bilder heute noch. Sie sind nicht perfekt, aber sie sind der Beweis für meinen Aufbruch. Während meiner Therapie riet mir meine Psychologin fast zeitgleich, ich solle kreativ gegen die Depression angehen. Ich dachte echt, die beiden hätten sich abgesprochen! Aber genau das war der Weg.

Mein größter Fan und mein Anker

Meine Frau ist seit diesen ersten Anfängen mein aller größter Fan. Sie hat einen Blick für mich, den sonst niemand hat. Sie ist die Erste, der es auffällt, wenn meine Stimmung mal wieder kurz dunkel wird. Dann sagt sie oft: „Da warst du wohl wieder nicht in der Stimmung“ – und sie hat recht. Sie spürt sofort, wenn die Depression wieder kurz aufflammt. Aber sie war es auch, die mich damals ans Licht geschubst hat.

Wenn aus Dunkelheit Licht wird

Mit jedem Bild lichtete sich der Schleier. Ich schaute YouTube-Videos, vernetzte mich per Zoom und Teams mit anderen, um besser zu werden. Und plötzlich veränderten sich meine Bilder. Früher waren sie tief, dunkel, schwer – genau wie meine Stimmung. Aber nach einem Urlaub in Südwest-England platzte der Knoten. Mein Kopf war so voller Eindrücke, dass die Farben auf der Leinwand plötzlich strahlten. Die Zeit, in der die Depression mich beherrschte und meine Stimme fast nicht mehr zu hören war, war vorbei.

Ein Geschenk, das bleibt

Dass ich es vor der Pandemie sogar in vier Ausstellungen geschafft habe, hätte ich am Anfang meines Weges niemals für möglich gehalten. Dass meine Bilder heute in ganz Deutschland, in der Schweiz, in Österreich und in kleinen B&Bs in England hängen, ist für mich das größte Geschenk.

Heute ist die Depression nur noch ein seltener Gast. Wenn sie mich triggert, weiß ich, was zu tun ist: Ich gehe mit Farbe dagegen an. Kreativ zu sein bedeutet für mich Freiheit. Jedes Bild ist ein Stück von mir und zeigt den Weg, den ich gegangen bin, um kein Gefangener meiner selbst mehr zu sein.

Danke, dass ihr mich auf diesem Weg begleitet.

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